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Industriekultur

Siegerländer Industriegeschichte? Gibt es die noch? „Bruche mer dat noch?“ - „Nä!“- „Da fort do bet!“ - Was in den letzten Jahrzehnten im Siegerland im wahrsten Sinne des Wortes verschwunden ist, ist eigentlich unbegreiflich. Gut, der Gedanke „Industriekultur“ kam für unsere Region 20 Jahre zu spät. Vergleichbare Hüttenwerke z.B. die Völklinger Hütte im Saarland wurde erst später stillgelegt und ist sind heute Weltkulturerbe. Eine Liste der mir bekannten positiven Beispiele im In- und Ausland würde den Rahmen dieser Seite sprengen. Darum sollten wir es nicht länger zulassen wie mit Zeugen unserer Vergangenheit umgegangen wird. Die große Anzahl der Relikte in der Landschaft wird nicht wahrgenommen und ist einer immer schneller voranschreitenden Zerstörung ausgesetzt. Wenn wir jetzt nicht handeln haben wir bald gar nichts mehr, was an unsere Bergbautradition erinnert!
Abschiedskranz am Fördergerüst der „Grube Wolf“, Herdorf 1975

Eisenverhüttung

Der Gerhardsseifen ist eine in Europa einzigartige montangeschichtliche Ausgrabungsstätte. Bereits vor 2000 Jahren wurde im Siegerland in den größten Verhüttungsöfen Europas das kostbare Eisen gewonnen. Auf die keltische Produktion folgte knapp 1000 Jahre später eine mittelalterliche Eisenverhüttung. 2012 sollte die Grabungsstätte verfüllt werden. Nur durch den Einsatz vieler ehrenamtlicher Helfer, der Waldgenossenschaft, Heimatvereinen, LWL-Archäologen, Sponsoren, Verein „Ein Siegerländer Tal, …. wurde eine Idee - Wirklichkeit . Das Ergebnis ist letzten Endes beeindruckend. Allen ein „dickes“ Lob, Anerkennung für die geleistete Arbeit und ein dankbares Glück Auf!

Grube Storch&Schöneberg

Maschinenhaus wird Gotteshaus

Von der Grube Storch wird berichtet, dass sie seit 1585 Erze förderte. 1758 lieferte Schöneberg über 167 Zentner Kupfererze.

Am 5. März 1859 wurden beide Gruben unter dem Namen Gewerkschaft Storch & Schöneberg vereinigt. Um 1900 war die Grube Storch&Schöneberg die größte Spateisengrube Europas. Sie hatte eine Teufe von 1156m und eine Belegschaft von etwa 2000 Bergleuten. Auf dieser Grube wurden bis zur Stilllegung am 30. Januar 1942 ca. 16 Millionen Tonnen Erz gefördert.

Um 1900 war die Grube Storch&Schöneberg die größte Spateisengrube Europas. Sie hatte eine Teufe von 1156m und eine Belegschaft von etwa 2000 Bergleuten. Auf dieser Grube wurden bis zur Stilllegung am 30. Januar 1942 ca. 16 Millionen Tonnen Erz gefördert. Bildbeschreibung: Vom Schornstein aus nach recht blickend sind die beiden Fördergerüste zu sehen. Hieran schließt sich das alte Fördermaschinenhaus an. Dann ist der Kühlturm zu erkennen und das neue Fördermaschinenhaus (Foto: Stefan Fenster)
1952 bekam die die ev. Kirchengemeinde die Ruine des ehemaligen Fördermaschinenhauses geschenkt. Die Arbeiten am Kirchenschiff begannen 1953. Alle Gemeindemitglieder halfen bei den Bauarbeiten mit und im Jahre 1958 wurde das Gotteshaus eingeweiht.
Ansicht aus den 30er Jahren und am verschneiten 23.08.2008. Hinter dem großen Verwaltungsgebäude und Schornstein des Kesselhauses ist das alte Maschinenhaus zu sehen. Im Anschluss daran steht ein hölzerner Kühlturm und dem sich dahinter befindlichen neuen Maschinenhaus. Dieses Maschinenhaus wurde zum Gotteshaus umgebaut. Am 23. März 1958 wurde die Einweihung des Gotteshauses gefeiert. Hier eine Aufnahme vom 23. März 2008.

Ohne die Umgestaltung zum Kirchenraum wäre das „neue Maschinenhaus“ nach alter siegerländer Tradition längst abgerissen worden. In anderen Ländern wären „Mondrian-Häuser“ (alles so schön bunt hier) an dieser Stelle nicht entstanden. Ebenso wäre aus dieser Bausubstanz in Schweden, Norwegen, Belgien, usw. ein Industriemuseum entstanden.


Röstofen Gosenbach

„Rösten“ von Erz ist als eine wichtige Vorstufe zur Erzverhüttung zu sehen. Das Erz wird beim Rösten bis unter dem Schmelzpunkt erhitzt ( 700 Grad). Das Verfahren diente dazu, unerwünschte Bestandteile wie etwa Wasser und Schwefelbestandteile zu verdampfen. Das Rösten geschah schon im Mittelalter ( Agricola) im Röstbett oder Röstofen. Auf Holzfeuern wurde das zerkleinerte Erz abwechselnd geschichtet und angezündet. Gegebenenfalls folgte ein zweiter oder dritter Röstprozess. Ein Teilstück der Röstofenbatterie der Grube Storch&Schöneberg in Gosenbach gilt als die einzig erhaltene Anlage in Westfalen.

Auf den ersten Blick sieht die alte Bruchsteinwand an der Straßengabelung Gosenbacher Hütte/Am Honigsmund im Siegener Ortsteil Gosenbach wie eine gewöhnliche Stützmauer aus. Tatsächlich ist sie aber Teil einer in den Hang gebauten ehemaligen Röstofenanlage der Spateisengrube Storch & Schöneberg. Die Anlage diente in der Zeit von 1862 bis 1911 zur Aufbereitung von Roherzen. Hinter der Bruchsteinwand verborgen befinden sich noch die verfüllten Ofenschächte, die aus Schamottesteinen kreisrund gemauert sind. Diese Schächte wurden von oben beschickt. Auf dieser oberen Ebene standen die Betriebsgebäude und die Fördergerüste des Alten und Neuen Schachtes. So ergaben sich kurze Wege von den Schächten zu den Öfen.
Ofenreste im HangMauerresteMauerreste mit „Sehhilfe“

Rechts neben der Bruchsteinmauer ist noch ein angeschnittener Rest eines Röstofens. Hier sieht man bei näherer Betrachtung die Mauerung.

1862 wurden die ersten Röstöfen gebaut und dann ständig ergänzt. So standen 31 Röstöfen direkt an der Grube Storch und Schöneberg, 4 in Niederschelden, 10 am Hüttenplatz. In den folgenden Jahren kamen noch sieben weitere Öfen hinzu. Von den 14 Röstöfen aus der Zeit von 1862 bis 1895 sind noch zwei Öfen sichtbar. Wahrscheinlich befinden sich hinter einem Erdkegel noch zwei weitere Öfen. In der Außenwand fallen vor allem die Öffnungen unter niedrigen Flachbögen auf, aus denen das Röstgut entnommen wurde. Heute sind die Öffnungen zugemauert, der rechte Teil der Ofenwand wird aus statischen Gründen von zwei Betonpfeilern gestützt.

Nach dem Bau der Ruhr-Sieg-Bahnstrecke stiegen die Erzausfuhren aus dem Siegerland ins Rheinisch-Westfälische Industriegebiet stark an. Damit gewann auch das Erzrösten an Bedeutung, denn dabei verliert das Erz 30 Prozent an Gewicht und lässt sich günstiger transportieren. Deshalb entstanden auf allen wichtigen Gruben des Siegerlandes Röstofenanlagen. Stefan Fenster aus Gosenbach legte einen Röstofen frei und bemüht sich um den Erhalt des von der Presse und vom LVL hoch gepriesenen Industriedenkmals. Vielleicht wäre hier eine finanzielle Unterstützung angebrachter!

Als die Grube 1911 ausgebaut wurde, entstand am Rothenberg eine mechanische Aufbereitung und eine neue Röstanlage mit 26 Öfen. Bis auf das lange Zeit unbeachtete Teilstück der Ofenanlage am Honigsmund sind mittlerweile alle Ofenanlagen im Siegerland verschwunden. Eisenerz muss vor der Verhüttung aufbereitet werden, dazu gehört das Rösten. Dabei wird der Anteil an Kohlenstoff, der die Zähigkeit der Eisenschmelze beeinträchtigt, ausgetrieben. Außerdem wird das Erz beim Rösten von Schwefel gereinigt und mit Sauerstoff angereichert. Bei diesem Vorgang verliert das Erz 30 Prozent an Gewicht. Die Ofenhöhe betrug zunächst vier bis fünf Meter. Zunächst wurden die meisten Öfen aus Bruchstein oder Ziegelstein rechteckig gemauert und mit feuerfestem Material ausgekleidet. Ab 1898 wurden sie allmählich von hohen, runden und mit Eisenblech umkleideten Öfen abgelöst. Quelle LWL und Gerd Helsper, Gosenbach. Vielen Dank!

Schnitt durch einen gemauerten Röstofen vom 21. Februar 1881 aus dem „Gesuch der Grubengewerkschaft Storch und Schöneberg auf den Parzellen … in Gosenbach.

In der Ellypse ist die Lage der Röstofen-Batterie zu erkennen. Im Hintergrund sehen Sie unbewaltete (kahle) Berghänge. Durch das Rösten wurde zum Beispiel Schwefel freigesetzt. Schwefeldioxid ist ein giftiges Gas welches in Verbindung mit Wasser eine leicht schweflige Säure bildet. Das dann in der Umgebung von Röstöfen (bei Hüttenwerken, Hochöfen) nicht mehr viel wächst, dürfte verständlich sein. Dieses Phänomen der entwaldeten Hügel konnte an den (früh-) industriellen Standorten im Siegerland überall beobachtet werden.


Weitere Informationen

Bauanträge (1893) zum Bau von Röstöfen der Grube Pfannenberger Einigkeit von Gerhard Weyl zeigen die typisch Form der Röstöfen.


Von 1903 stammen diese Baupläne der Grube Grimberg / Niederdielfen


Während die ersten Röstöfen „in den Hang hinein“ gebaut wurden sind spätere Anlagen aus Eisen in direkter Nähe zum Förderschacht errichtet worden. Diese Bild der Röstofenanlage ist von der Grube Bautenberg bei Wilden.

Rostspat

Rostspat ist gerösteter Spateisenstein (Fe2CO3). Hier ein geröstetes Erzstück mit 46 % Fe (Eisen) und 8 % Mn (Mangan) mit Kupferkies. Durch die Hitzeeinwirkung beim Rösten verbrannte der ungeliebte Schwefelkies (siehe Klüfte und Einschnitte).

Im Buch „Chronik der Gemeinde Gosenbach“ von Otto Krasa, 1964, Seite 90 - 93, wird die schädliche Wirkung der Röstgase beschrieben. Er schreibt u.a. „Nägel, Dachhacken, Dachrinnen und Rohre .. wurden von den Röstgasen zerfressen. In den Gärten verdorrte das Gemüse und die Bäume starben ab, es entstanden schwarze Kahlflächen …“. „Näherte man sich… unserem Ort, so hatte man, besonders bei Regen und Nebel, den Geruch des schwefligen Gases in der Nase und ienen unangenehmen kratzenden Reiz im Halse“. Klasse fand ich die Äußerung des Kreisphysikus Dr. Hensgen aus Siegen „Die schweflige Säure, welche den Röstöfen entströmt, wirkt giftig auf den menschlichen Organismus, .. Auswurf, Entzündung des Lungengewebes, … diese gesundheitlichen Schäden wurden behördlicherseits - weil nur auf Vermutung beruhend - nicht als beweiskräftig anerkannt.“ Kein Kommentar zu irgendwelchen Interessen der Wirtschaft und der Politik! … das ist jetzt hundert Jahre her, und hat sich was geändert?


Röstofen Biersdorf

Bereits bei Agricola galt das „Rösten“ von Erz als eine wichtige Vorstufe zur Erzverhüttung. Beim Rösten wurde das Erz bis unter dem Schmelzpunkt erhitzt. Das Verfahren diente dazu, unerwünschte Bestandteile wie etwa Wasser und Schwefelbestandteile zu verdampfen. Das Rösten geschah im Röstbett oder Röstofen. Auf Holzfeuern wurde das zerkleinerte Erz abwechselnd geschichtet und angezündet. Gegebenenfalls folgte ein zweiter oder dritter Röstprozess.
Gegenüber der Grube Füsseberg steht hinter der Bahnlinie in Biersdorf / Daaden der letzte Röstofen des „Siegerlandes“. Es soll sich dabei um einen von vier Röstöfen handeln der im Jahr 1905 von der Gewerkschaft „Glaskopf“ errichtet wurde.

Rösten von Eisenerz: Nachdem der Spateisenstein zu Tage gefördert war wurde er in Brecheranlagen gebrochen. Das taube Gestein wurde per Hand ausgelesen oder durch Maschinen entfernt. Danach kam das Erz in einen Röstöfen. Hier wurde bei großer Hitze z.B. Wasser und Schwefel ausgeschieden. Durch das Rösten wurde der Spateisenstein in Eisenoxid umgewandelt. Dies führte zu einer Erhöhung des Eisengehalts bei gleichzeitiger Gewichtsreduzierung. Negativer Nebeneffekt war die Umweltverschmutzung. Die Abgase führten zu den typisch kahlen Berghängen in der Nähe der Röstanlagen (siehe Bild Füsseberg mit 8 Röstöfen).

Digitale Rekonstruktion von Carsten Trojan, Herdorf


Das heute noch einer der Röstofen in Biersdorf steht, grenzt fast an ein Wunder. Bleibt nur zu hoffen, dass der Heimatverein und die Verantwortlichen die Chance sehen hier ein historisches Bauwerk für die Nachwelt zu erhalten.


Pinge Guldenhardt

Wie die Erhaltung von Industriekultur unsere Landschaft bereichern könnte, zeigt beispielhaft Carsten Trojan an der Grube Guldenhardt bei Herdorf auf. Leider ist es an der „Tagesordnung“ das im Siegerland Relikte des alten Bergbaus ignoriert, nicht wahrgenommen und wissentlich oder unwissend zerstört werden. Dies gilt auch für Hohlwege, frühere Transportwege an den Berghängen des Siegerlandes.

Bodendenkmal Pinge.pdf


industriekultur.txt · Zuletzt geändert: 2024/05/06 15:18 von heupel