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Frauenarbeit im Bergbau (ab 15. Jh.)

In seiner „De re metallica“ schildert Georg Agricola sehr genau die Tätigkeiten bei der Aufbereitung im Erzbergbau. Zur Verarbeitung des Erzes waren verschiedene Arbeitsschritte notwendig:

  1. - Klauben und Scheiden der Erze (Brauchbare Stücke entnehmen / trennen)
  2. - das Pochen (Zerkleinern von Erzen)
  3. - das Rösten (Erz wird erhitzt [ bis ca. 700Grad] zerkleinern der Erze wird erleichtert, schädliche Bestandteile „verbrannt“
  4. - die Zerkleinerung (händisch mit Schägel oder maschinell)
  5. - das Sieben und Waschen
  6. - das weitere Rösten und Brennen

Die Arbeitsgänge dienten dazu, Erz und Berge voneinander zu trennen und das Roherz sortenmäßig zu scheiden (Qualitätsauswahl) und für die Verhüttung vorzubereiten. Nach Agricola wurden zuerst die Erze vom tauben Gestein (wertloses Gestein) getrennt und anschließend sortiert. Diese Arbeit wurde auch von Frauen durchgeführt.

Belege für Frauenarbeit im Bergbau finden sich in historischen Zeichnungen und Malereien, von denen ich hier einige beispielhaft vorstellen möchte.

Siegerland

Als erstes wurden die Erze mit dem Schlägel (Hammer) klein geschlagen, später mit wassergetriebenen Pochwerken. Das Pochen der Erze von Hand konnte von Kindern, Männern und Frauen geschehen.
Im Siegerlandmuseum in Siegen sind auf der „Siegener Randleiste“ aus Pergament zwei Frauen bei der Arbeit: Im oberen Bereich der colorierten Zeichnung ist zwischen den Blüten / Strauchwerk eine Frau zu sehen, die mit einem schweren Schlägel Erzbrocken zerkleinert. Darunter schichtet eine andere Frau mit einem breiten Hut eine Feuerstelle mit Erzen auf. Die Erze wurden darauf geröstet, damit schädliche Bestandteile des Erzes „verbrennen“ (z.B. Schwefelanteile). Danach konnten sie leichter zerschlagen und der Verhüttung zugeführt werden.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine Ähnlichkeit zum Graduale von St. Dié, dem Kuttenberger Kanzionale, dem Lobkowitzer Antiphonar und dem Annaberger Bergaltar vorliegt.


Anmerkung: Die Hutform ähnelt der Hutform einer Frau auf dem Bild aus Kutná Hora
Text zur illustrierten Buchseite im Museum der Oberen Schlosses in Siegen.Wikipedia-Auszug mit Jahresangabe. Die Quelle des Pergaments wird noch geprüft.

Zur Quellenlage:

Winkelmannn, Heinrich: Der Bergbau in der Kunst, Seite 72, „die um 1490 gemalte Randleiste“, Essen 1958

Im Ausstellungskatalog „Meisterwerke bergbaulicher Kunst vom 13. bis 19. Jahrhundert“, Seite 176, wird die Siegener Randleiste datiert: „spätes 15. Jahrhundert“.

Kutná Hora

Frauendarstellung aus der Frühzeit des Kuttenberger Montanwesens - Kutná Hora In Böhmen enstand um 1500 die „Kuttenberger Kanzionale“. Hierbei handelt es sich um eine Sammlung kirchlicher Lieder.

Mehrere Gruppen sitzen im Freien zusammen. Das Bild ist aufgeteilt in bergbauliche Arbeiten untertage und Übertage. Die Frauen arbeiten Übertage und sind mit dem Säubern, Zerkleinern und Sortierung beschäftigt. Die sortierten Erze werden in verschieden große Holzschalen gelegt.


Basel / Elsass/ Schwarzwald

Die Cosmographia war ein bedeutendes Werk, das die Welt beschreiben sollte und in dem verschiedene Aspekte wie Geographie, Geschichte, Ethnographie, Zoologie und Botanik behandelt wurden. Es wurde in Basel gedruckt und erreichte eine große Verbreitung, mit vielen Auflagen bis ins Jahr 1628.
Sebastian Münster (1489-1552) zeigt in seiner „Cosmographia“ von 1544 drei „Weiber“ in einer baufälligen Bretterbude. Deutlich ist die Sortierung der Erze nach verschiedenen Größen zu sehen.

Erzgebirge

Ab 1528 legte Georg Agricola die Grundlagen für seine 12 Bände in St. Joachimsthal, dem heutigen Jachymov in Tschechien. Im achten Buch beschreibt er das Klauben und sortieren.
Bei Agricola arbeiten die Erzklauberinnen mit Männern in einem wind- und regengeschützten Haus.
Die Unterschiede in der Kleidung sind deutlich zu sehen. Vermutlich überwachen zwei Pochsteiger, die die weitere Zerkleinerung von Erzstücke vornahmen, die Sortierung.
Die Sortierung erfolgt in verschiedene Behälter.


Erzgebirge

1522 wurden die Bildtafeln des Annaberger Bergaltar geschaffen. Der Altar vermittelt ein realistisches Bild der damaligen Erzförderung und Verarbeitung. Er zeigt die Mutung des Bergwerks, den Abbau des Erzes, die Zerkleinerung, das Waschen und Sieben, sowie die Verhüttung des Metalls. Unter anderem sind zwei Frauen bei der Erzwäsche zu sehen.


La Croix-aux-Mines

Wir schreiben das Jahr 1529, als Herzog Antoine de Lorraine im Juni nach La Croix-aux-Mines kommt, wo sich die silberhaltigen Bleivorkommen des Herzogtums befinden. Der Minenverwalter G. d'Ainvaux wollte den Herzog ehren und ihn weiterhin als Geldgeber zu gewinnen. Er beauftragte den Maler H. Groff die Tätigkeit des Minenbetriebs zu dokumentieren. Das Ergebnis dieser fünfundzwanzig Zeichnungen vermitteln einen großartigen Eindruck über die Arbeit im Bergbau des 16. Jahrhunderts

La Croix-aux-Mines (Alsace), 16. Jahrhundert, Sankt Nikolaus. (1529).
Auf einer Federzeichnungen von Heinrich Groff sind Klauberinnen bei der Arbeit zu sehen.
Ein größeres Scheidehaus mit Frauen bei der Arbeit.
Neben der Hütte siebt eine Frau Erze aus und eine andere Frau transportiert Erze.

Auch waren auf der Grube Sankt Nikolaus Frauen mit dem Transport von Erzen zum Pochwerk betraut. Frauen zu „Haus“ und bei den Holzfällern.


Le Graduel de Saint-Dié

Links: …Die Seite 681 im Manuskript zeigt unter anderem eine Frau bei der Erzwäsche
Le Graduel de Saint-Dié hier gehts zur Seite des Graduels mit detailierten Bergbaumotiven
Dieses Graduel wurde von einem Chor während des Gottesdienstes gesungen. Es hat über 700 Seiten und wiegt mehr als 50 kg.

La Thillot

„Hinter einem erfolgreichen Mann, steht immer eine Frau!“ Was wir leider meist vergessen sind die vielen ungesehenen Arbeiten die Frauen rund um die Familie und die Allgemeinheit ausführen. Erwähnen möchte ich die fleißige Schneidergruppe aus la Thillot, die für die zahlreichen Mitarbeiter rund um die Mine, historische Kleidungsstücke näht. Merci à tous! Un grand merci à Madame Chantal Villa qui m'a envoyé un patron de coiffe médiévale. Merci!


Japan, ca. 1700

Winkelmann, Heinrich (Hg), Gewerkschaft Eisenhütte Westfalia, Wethmar/Lünen, Altjapanischer Goldbergbau, Seite 19

Vor der Schmiede zerkleinern und klauben Frauen unter Aufsicht eines Meisters die geförderten Roherze. Lit.: Winkelmann, Heinrich (Hg), Gewerkschaft Eisenhütte Westfalia, Wethmar/Lünen, Altjapanischer Goldbergbau, ausfaltbare handkolorierte Leporello-Tafeln, 1964


Bergarbeiterinnen

Lesenswerte Aufsätze von Christina Vanja zur Geschichte der Frauenarbeit im Bergbau, Hütten- und Salinenwesen seit dem späten Mittelalter. Hier sind Literaturhinweise zu finden.

Teil I: Spätes Mittelalter und frühe Neuzeit ….. Teil II: Die Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert

frauenarbeit_im_bergbau.txt · Zuletzt geändert: von heupel