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Braunkohle im Westerwald

Fördergrüst der Grube Alexandria bei Höhn (gekürzt)

Entstehung

Vor Millionen Jahren lag der Westerwald am Rande eines flachen Meeres. In diesem warmen, feuchten Klima des Tertiärs bildeten sich ausgedehnte Sumpflandschaften mit verschiedenen Baumarten. Alte Pflanzen starben ab, wurden vom Wasser luftdicht bedeckt und begannen sich zu zersetzen. Dadurch bildete sich Torf. Das war die Grundlage der Braunkohle.
Sand, Ton und Asche aus Vulkanen bedeckte meterhoch die Pflanzenreste (Torf). Druck und Hitze bewirkte, dass sich der Torf in Braunkohle umwandelte. Es entstand die Weichbraunkohle. Sie speicherte immer noch sehr viel Wasser und hat einen geringen Heizwert.
Als die Vulkane auf dem Westerwald Feuer spuckten, floss Lava (Basalt) über die Erdoberfläche und bedeckte sie. Die Weichbraunkohle wurde zusammengedrückt (verdichtet) und durch die hohe Temperatur in Hartbraunkohle umgewandelt. Hartbraunkohle hat weniger Wasser, ist härter und lässt sich besser verarbeiten.
Schulbereich: Die Zeichnungen sind nutzbar für ein eigenes Referat / Publikation zu diesem Thema
Die Braunkohleflöze bildeten sich im Tertiär (genauer im Miozän vor 20 - 30 Millionen Jahren). Die Kohleflöze kommen in verschiedenen Qualitäten vor: Lignite, Psyeudolignite, erdige Kohlen, Glanzkohle, Blätterkohle und bitominöser Schiefer.

Braunkohle

Weichbraunkohle (Moorkohle) besitzt eine torfartige, faserige Stuktur. Sie beinhaltet bis zu 50 % Wasser und hat einen geringen Heizwert.Hartbraunkohle ist dort zu finden, wo sie von einer Basaltschicht überlagert ist. Der heiße Basalt beschleunigte die Umwandlung in Kohle, dabei wurde sie so hart wie Eichenholz (lignitisch). Im Bergwerk Alexandria wurde sie gesprengt und in großen Stücken abtransportiert.
WeichbraunkohleHartbraunkohle (Lignit)

Braunkohlestück aus dem Westerwald

Sehr deutlich ist die Holzstruktur dieses Weich-Braun-Kohlestücks zu erkennen.


Braunkohle verkieselt

Verkieselte Braunkohle aus Breitscheid - Formation Oberoligozän / Tertiär. Tongrube „Elfi“. Die Braunkohle im Westerwald wird meist von Basalt und Lava-Asche bedeckt. In Verbindung mit Wasser bilden sich quarz- und kieselsäurehaltige Lösungen (Siliziumdioxid). Diese dringen in das „Holz“ ein und ersetzen die organischen Bestandteile des Holzes. Im Laufe der Jahrmillionen versteinert die Braunkohle. Dieses seltene Stück stammt aus der Sammlung Eberhard Klein. Vielen Dank!


Vorkommen

Im Jahre 1651 wurden bei Höhn die ersten Braunkohlen gefunden. Der Fürst Johann Ludwig von Hadamar, zu dessen Gebiet Höhn damals gehörte, ließ dort eine Grube anlegen. Doch starkes Grundwasser führte zur Einstellung des Betriebes.


Lage der Braunkohle

Es gab immer wieder Versuche die Braunkohle wirtschaftlich zu vermarkten, die aber oft scheiterten. Zwischenzeitlich wurde die Kohle meist zum Heizen genutzt. Durch Verkohlung, ähnlich wie bei der Holzkohlengewinnung mit Kohlenmeilern, konnte der Heizwert erhöht werden. Schmiede, Bäckereien, einige Eisenhütten und Dampfmaschinen feuerten damit, so z.B. die Grube Landeskrone bei Wilnsdorf. Um 1850 gab es 22 Bergwerke auf dem Westerwald, die jährlich rund 50.000 Tonnen Braunkohle förderten.

Grubenfelder


Grube Alexandria

Nach dem Krieg 1870/71 begann die eigentliche Industriealisierung des Westerwalds. In dieser Zeit , von 1885 bis 1890, waren die Gruben Victoria bei Kackenberg, Nassau bei Schönberg und Alexandria bei Höhn in Betrieb.

Die Grube Alexandria liegt im nördlichen Bereich der Westerwälder Braunkohlenregion. Der Hauptschacht hatte eine Teufe von 80 Metern. von hier aus gingen zwei Förderstrecken von je 4 km Länge in die Abbaufelder. Die gewonnene Braunkohle wurde in dem neu errichteten Kraftwerk genutzt.

Die Elektrizitätswerke Westerwald nahmen ihr Kraftwerk 1914 in Betrieb. Der gesamte Westerwald bis zum Rhein wurde mit Elektrizität versorgt. Über 1000 Menschen fanden in den beiden Betrieben Arbeit und Brot. Auf dem Grubengelände wurde die Braunkohle durch einen Brecher zerkleinert und mit einer ca. 600 Meter langen Seilbahn zum Kraftwerk gebracht. Die vorhandenen großen Kohlestücke verkaufte man als Stückkohle. Die anfallende Schlacke des Kraftwerks mit Kalk gemischt wurde zu Presssteinen verarbeitet.

Da der Untertagebergbau sehr aufwändig war und man gegen die Braunkoglereviere (Düren / Tagebau) und die Steinkohle wirtschaftlich bestehen musste, sank die Zahl der Gruben im Westerwald bis 1940 auf vier Gruben. Erst nach Kriegsende stieg der Energiebedarf und damit die Nachfrage nach der Braunkohle wieder an.

TurbinenhalleE-LeitungWasserpumpeFördermaschine

1959 war das Ende des Kraftwerks in Höhn gekommen. Dies hatte 1961 die Schließung der letzten Grube des Westerwaldes, die Grube Alexandria, zur Folge. Insgesamt wurden etwa 10 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Die bestehenden Gebäude konnten einer anderen Nutzung zugeführt werden, sind allerdings auch teilweise verfallen. Glück auf.


Einfahrt

Am FörderschachtAuf der FahrtEinfahrtSchacht 7
GrubenfahrtGrubenlokFahrt vor OrtGesicherte Strecke
PausenraumKreuzungspunktAusgebaute Streckeam Förderschacht
Verladungam FüllortZimmerleuteStreckeVor dem Förderkorb

Unter Tage

PressluftbohrerBohrloch besetzenAbbau

Links : Eine der seltenen Aufnahmen mit beladenem Hunt und Steigern.


Feiern

Bild links: Knappenverein der Gewerkschaft „Alexandria“ zu Höhn im April 1913. Daneben Fotos eines Umzuges (Tag der Arbeit?) aus den 30er Jahren.

v.l.n.r. Emil Höhn, Willi Hoffmann, Willi Held ..Willi Held, Direktor Jansen, Emil Höhn, Prokurist Herzberg, ?, Steiger Willi Hoffmann

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Bild links: Betriebsleiter Neitzert, Alois Kraft, Willi Held, Direktor Jansen, Emil Höhn, Prokurist Herzberg. Aufmarsch einer Abordnung festlich gekleideter Bergmänner von Grube Alexandriain den 1930er Jahren. Tag der Arbeit.


Ehrenformation bei der Beerdigung des Bergmanns Alois Diehl in Höhn-Oellingen. von links nach rechts Josef Helsper, Emil Höhn, Theodor Schmidt, Johann Helsper, Albrecht Helsper (Schwiegervater v. Kunigunde Helsper), Peter Jung, Willi Held, Hugo Krämer

Weihnachtsfeiern

Weihnachtsfeiern untertage aus verschiedenen Jahren.


Flözstärken


Förderzahlen


Hauerschein


Glückauf Grube Zuversicht / Phönix

Mannschaft der Grube Glük Auf (Glück auf) Zuversicht von 1911. Interessant sind die beiden etwas verblichenen Aufnahmen von der Grubenausfahrt mit gefüllten Hunten von der Grube Glück auf Phönix.


Grubenlampe

Diese Grubenlampe gehörte dem Bergmann Edmund Bayer aus Höhn. Er war zunächst auf der Grube Storch&Schnöneberg in Gosenbach beschäftigt. Schweißfurth-Lampe Typ Nr. 62 mit Parabolreflektor und beweglichem Doppelbügel mit dem Kupferschild Nr. 309. Daneben eine Lampe vom Typ 50 a mit runder Druckverstärkerplatte und der obligatorischen Bakelit-Füllschraube der Kriegs- und Nachkriegsfertigung als Messingersatz.

Heute

Gekürztes Fördergerüst der Grube Alexandria in der Ortsmitte von Höhn. Teilweise werden die ehemaligen Grubengebäude anders genutzt. Andere Bereiche sind jedoch stark einsturzgefährdet.

Verwaltung der Grube Alexandria heute


Literatur:

DANK

Einige Fotos wurden mir von Karl Heinz Krahm überlassen. Vielen Dank mit einem herzlichen Glück Auf! Danke !

braunkohle_im_westerwald.txt · Zuletzt geändert: von heupel