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Bergschäden in Südwestfalen Siegerland. Immer wieder kommt es im Siegerland zu Tagesbrüchen. Spektakulär war der bislang größte und teuerste Tagesbruch in ganz NRW am Siegener Rosterberg im Jahr 2004. Aktuell beschäftigt sich das Bergamt mit einem Tagesbruch in Gosenbach und einem in Eisern. Eigentlich ist das nicht verwunderlich: Das Siegerland ist eine der ältesten Bergbauregionen in NRW. Vor allem Eisenerz wurde im Siegerland gewonnen. Schon vor 2500 Jahren haben Kelten hier zutage tretende Erzgänge ausgebeutet. Wenn sie auf der Erdoberfläche braunen Eisenstein entdeckten, gruben die Kelten tiefe Schurflöcher - die so genannten Pingen. Erst über 2000 Jahre später, etwa vom 19. Jahrhundert an, konnten die Bergleute auch unterhalb des Grundwasserspiegels graben. Vom 15. Jahrhundert an wurden Stollen gesprengt, nicht mehr mit Hammer und Schlegel vorangetrieben. Ein Teil des Stollens, der im Februar in Gosenbach einen Tagesbruch verursachte, war noch mit Hammer und Schlegel ausgearbeitet, stammte also ungefähr aus dieser Zeit (die WR berichtete.) Dieser Stollen gehörte zur Grube Kammer, die wiederum zum Betrieb Storch & Schöneberg gehörte. Dort waren zeitweise bis zu 2000 Menschen beschäftigt. "Siegen ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse", heißt es manchmal. Karl Heupel arbeitet beim Medienzentrum des Kreises Siegen-Wittgenstein *) und beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Siegerländer Bergbau. Er korrigiert: "Ganz richtig ist der Spruch mit dem Käse nicht. Es gibt in der Tat über 500 Gruben im Siegerland, und da sind die Kleinstgruben, die nicht angemeldet waren, noch nicht mit gezählt." Alleine im Ort Niederdielfen seien zehn solcher Gruben von jeweils zwei oder drei Mann ausgebeutet worden. "Es hat aber nicht überall Bergbau gegeben, sondern nur in bestimmten erzführenden Gangspalten." Der Bergbau verläuft vom Nordosten bis zum Südwesten des Siegerlandes. Das manganhaltige Eisenerz sei gut zu schmieden und deshalb in früheren Zeiten sehr begehrt gewesen. Mit der Erfindung der Dampfmaschine erreichten die Bergleute noch größere Teufen (bergmännisch für "Tiefen"). Allein zwischen 1847 und 1859 wurden die Gruben Birlenbacher Hütte, Landeskrone, Victorsfeld, Klappertshoffnung, Pützhorn, Stahlberg und Neuglück mit Dampfmaschinen ausgestattet. Die größten Gruben im Siegerland waren über 1000 Meter tief. Im 20. Jahrhundert ging es mit dem Erzbergbau im Siegerland zu Ende. Zwar wurde noch 1953 in Betzdorf die Erzbergbau Siegerland AG mit elf Verbundanlagen gegründet, aber schon 1965 war alles vorbei. Füsseburg und Georg, die letzten Gruben im Siegerland, wurden stillgelegt. "Einen Bruch wie am Rosterberg gibt es nicht alle Tage" Heute machen sich die Hinterlassenschaften des Bergbaus bemerkbar. "Man merkt, dass das Siegerland eine alte Bergbauregion ist. Etwa ein Zehntel aller Tagesbrüche in NRW im Siegerland - das ist ein ganz schöner Brocken", sagt Andreas Nörthen, Sprecher des Bergamts Recklinghausen. Seit Mitte der 60er Jahre gibt es eine Statistik über gemeldete Tagesbrüche: 1041 in ganzen Bundesland, davon 94 im Kreis Siegen-Wittgenstein. Alleine auf dem Rosterberg gab es 12 gemeldete Tagesbrüche in den letzten 40 Jahren. "Die meisten Nachwirkungen des Altbergbaus finden sich aber in Wäldern. Das ist meistens ungefährlich, viele werden auch gar nicht entdeckt", sagt Peter Hogrebe vom Bergamt Recklinghausen. Er legt Wert darauf, dass das Thema Altbergbau nicht zur Panikmache genutzt wird: "So einen Bruch wie auf dem Rosterberg gibt es ja nicht alle Tage. Es ist natürlich nie auszuschließen, dass sich ein Tagesbruch auftut, andererseits darf man das ganze nicht dramatisieren." Wenn die Sicherung einer alten Grube nicht mehr hält, kommt es zum Tagesbruch. "Die Frage ist also: Wie ist die Grube gesichert?", erläutert Peter Hogrebe. Die Bergleute seien da sehr einfallsreich gewesen, fügt er hinzu, mit Holzbohlen, Beton-Abdeckungen, allem, was irgendwie machbar ist. Die Annahme "Hier ist 50 Jahre lang nichts passiert, jetzt passiert auch nichts mehr", lässt Hogrebe nicht gelten: "Das ist falsch. Grundsätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit eher mit der Zeit, denn die Deckschicht altert, ist der Witterung ausgesetzt. Trotzdem ist jeder Fall ein Einzelfall. Generelle Angstmache ist überhaupt nicht zielführend." Trotz Rosterberg, trotz Gosenbach - die meisten Probleme mit Altbergbau hat nicht das Siegerland, sondern eine Region, die in den letzten fünf Jahren sogar 50 bis 70 Tagesbrüche zu verzeichnen hatte: das Ruhrgebiet. *) geändert Karl Heupel Quelle: Westfälische Rundschau 05.04.2005 Von Malte Wicking |
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